Wettbewerb "Neue Ortsmitte Gesees"








Wettbewerb Neue Ortsmitte Gesees
- Bauherr
- Gemeinde Gesees
- Leistung
- Wettbewerbsbeitrag 03/2026
- Kooperation
- mit einenkel Landschaftsarchitektur (Federführung)
Ortsmitte Gesees
Zwischen den bestehenden Gebäuden der Ortsmitte entwickelt sich auf mehreren miteinander verbundenen Ebenen ein neues Zentrum des gemeinschaftlichen Dorflebens.
Nördlich des Scholzhauses sichern Stellplätze die Anbindung des motorisierten Individualverkehrs. Treppen und barrierefreie Rampen erschließen die obere Platzebene. Diese bildet die Vorzone der neuen Veranstaltungswerkstatt sowie des Scholzhauses, schafft mit der Funkenbach-Loggia die Verbindung zu Scheunengebäude und südlichem Grünraum und vermittelt zum dem auf dem Niveau der Pottensteiner Straße liegenden Dorf- und Festplatz.
Zwischen Ziegelhaus, Gasthaus und Biergarten spannt sich hier unter Einbeziehung der ortsbildprägenden Scheune ein neuer zentraler Platzraum auf, gefasst durch eine großzügige Sitz- und Treppenstufen- sowie Rampenanlage.
Die Scheune bleibt in ihrer markanten Kubatur erhalten und wird zum Platz hin geöffnet. Als überdachte und witterungsgeschützte Erweiterung des Dorfplatzes schafft sie Raum für Märkte, Feste und gemeinschaftliche Aktivitäten.
Zwischen Ziegelhaus und Scheune öffnet sich unter einem lichten Baumdach ein „Fenster ins Grüne“. Hier geht der Platzraum in den Landschaftsraum „Neue Schwemm“ über – ein ruhiger Bereich für Aufenthalt, Spiel und Naturerleben abseits des lebendigen Platzgeschehens.
Die bestehende Straße tritt zugunsten des Retentionsraums des Funkenbachs zurück. Ein weiter südlich geführter Radweg mit neuer „Funkenbachbrücke“ stellt künftig die dem Platz abgewandte Verbindung zum Gemeindehaus her.
Funkenbach
Südlich der Scheune weitet sich der Funkenbach zu einem großzügigen Retentionsraum auf, der bei Starkregenereignissen zusätzlichen Wasserrückhalt bietet und zugleich den Übergang zum Landschaftsraum markiert.
Im Bereich der Platzfläche wird der historische Bachlauf neu interpretiert: Ein gemauerter, gefasster und transparent abgedeckter Kanal zeichnet den ursprünglichen Verlauf nach und macht die frühere Präsenz des Gewässers im Ortsgefüge wieder ablesbar. Das Wasser begleitet den Platzraum dabei als visuelles, akustisches und atmosphärisches Gestaltungselement. Zugunsten der multifunktionalen Nutzbarkeit der Fläche bleibt es bewusst ohne direkte haptische Zugänglichkeit. Die Öffnung des Gewässers stärkt zugleich die klimatische Wirkung des Freiraums. Verdunstung und Luftaustausch fördern die Ausbildung einer Kaltluftschneise, während die Aufweitung des Bachraums zusätzliche Retentionskapazitäten schafft. (ist das wirklich eine Schneise? Das mit der Retention steht schon oben…
Vegetation
Die zu erhaltende Eiche am westlichen Platzrand wird durch eine großzügige Grüninsel mit umlaufender Sitzkante betont und als prägender Blickpunkt des Platzes inszeniert. Ergänzend schaffen zusätzliche Gehölze vor Gasthaus und Biergarten eine natürliche Fassung und vermitteln zwischen bebautem Raum und Aufenthaltsfläche. Zwischen Scheune und Ziegelhaus formen weitere Baumsetzungen mit Blühaspekt die Raumkante zum Grünraum und setzen diese zugleich als atmosphärisches Gestaltungselement in Szene. Auf diese Weise entstehen neben großzügigen Freiflächen auch ausgewogene, schattige Aufenthaltsbereiche, die das neue Dorfzentrum räumlich gliedern und gleichzeitig vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eröffnen.
Materialien und Ausstattung
Die Platzflächen werden ortstypisch mit Natursteinpflaster aus regionalem Gestein befestigt und fügen sich selbstverständlich in das historische Ortsbild ein. Um klare Nutzungszonen zu markieren, sind Radweg und Parkplatzflächen in Asphalt ausgeführt.
Sitzinseln sowie in die Treppenanlage integrierte Sitzbereiche erhalten teilweise Auflagen aus Holz.
Weitere Ausstattungselemente wie Abfalleimer, Beleuchtung, Fahrradbügel oder Hinweisschilder folgen einer gemeinsamen Gestaltungslinie.
Beleuchtung
Ein entlang des Kanals geführte lineares Lichtband sorgt für eine atmosphärische Beleuchtung des Platzes. Wo die Fassadenbeleuchtung nicht ausreicht, sorgen Mastleuchten für die erforderliche Ausleuchtung des Platzes, z.B. bei Veranstaltungen. Soweit notwendig, werden auch Radweg und Parkplatz entsprechend beleuchtet.
Leuchtmittel sind so gewählt, dass sie keine Insekten anlocken, eine gerichtete Beleuchtung sorgt dafür, die Lichtverschmutzung zu begrenzen.
Gebäude
Die vorhandenen Gebäude bleiben nahezu vollständig erhalten. Sie werden mit gezielten Maßnahmen umgeformt und zu Bausteinen der neuen Ortsmitte umgedeutet.
VeranstaltungsWerkstatt, Funkenbachloggia, Dorfscheune und Ziegelhaus bilden nicht nur die stadträumliche Einfassung des Dorfplatzes, sondern werden auch inhaltlich in einem funktionalen Kontext verknüpft.
VeranstaltungsWerkstatt
Das ehemalige Werkstattgebäude wird zu einem multifunktionalen Veranstaltungssaal für Familien- oder Gemeindeveranstaltungen jeglicher Art transformiert.
Ob beispielsweise Hochzeitsfeier, Volksschulkurse, Gemeinschaftskino, Public Viewing, Tangoabende oder Vereinstreffen – das Angebot richtet sich an alle Bürger von Gesees und umliegenden Gemeinden.
Bauliche Maßnahmen:
- Realisierung einer VeranstaltungsWerkstatt durch Rückbau Kappendecke und Erweiterung der Raumhöhe bis unter das Dach
- Einebnung aller Erdgeschossflächen (durch teilweise Absenkung im hangseitigen Gebäudeteil)
- Unterbringung von Räumen mit dienenden Funktionen im nördlichen Gebäudeteil:
- Küche und Sanitär im EG
- Wärmeversorgungszentrale und Lagerflächen im OG
Scheune
Das Scheunengebäude bleibt in seiner Kubatur und ortsbildprägenden Präsenz bestehen. Es wird zum neuen Dorfplatz großzügig geöffnet und stellt dessen überdachte und witterungsgeschützte Erweiterung dar. Ob z.B. für Wochenmärkte, Scheunenfeste, Flohmärkte oder einfach nur als regensicherer Treffpunkt – Die Dorfscheune wird zur neuen, 24/7 nutzbaren Adresse für die Bürger von Gesees und Umgebung.
Daneben wird sie durch die Öffnung ihrer Stirnseiten auch zum Bindeglied und verknüpft die angrenzenden Gebäude unmittelbar untereinander.
Bauliche Maßnahmen:
- Ausbau der lasttragenden Geschossböden und ebenerdiger Wiedereinbau der Bohlen als nutzungsfreundlicher Scheunenboden
- Optimierung des lastbefreiten Tragwerks und Reduzierung der Stützenstellung
- Tieferlegung der Decke über Souterrain-Keller zur stufenfreien Anbindung an die Funkenbachloggia und den Saal.
- Öffnung der platzzugewandten Fassade
Ziegelhaus
Die Revitalisierung des Ziegelhauses wird durch die Einrichtung einer Buswartestube und Unterstand sowie „Regiomaten“ initiiert. Dies fördert eine Entwicklung zum Ort informeller Begegnung und des sozialen Austausches. Zudem sind im Ziegelhaus öffentliche Toiletten für die neue Ortsmitte untergebracht. Ober- und Dachgeschoss werden gesichert und als Potentialflächen im Zuge der Standortaufwertung vorgehalten.
Durch Öffnung der oberen Geschossdecken können verbleibende Flächen des Dachgeschosses dem Obergeschoss als Galeriegeschoss zugeschlagen werden. Auf diese Weise entstehen attraktive und nutzungsneutrale Raumhöhen für z.B. wohnungsnahen „Nachbarschafts-Workspace“, Interims- oder Gemeindebedienstetenwohnungen.
Bauliche Maßnahmen:
- Entkernung von Einbauten und nicht tragenden Innenwänden
- Tieferlegung und Einebnung des Erdgeschossniveaus
- Obergeschosse Zwischennutzung als Potentialfläche zur freien Aneignung
- Nach Standortaufwertung: Öffnung Decke OG-DG zur Schaffung von attraktiven Aufenthaltsräumen mit baurechtskonformer Raumhöhe, z.B. als „Nachbarschafts-Workspace“
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die Transformation des Standortes in eine neue Ortsmitte erfolgt durch gezielte Eingriffe im ansonsten weitestgehend verbleibenden Gebäudebestand. Auch im Freiraum werden die Qualitäten des Ortes gezielt herausgearbeitet und neu inszeniert. Der Fokus liegt dabei auch auf der wirtschaftlichen und nachhaltigen Umsetzung der Maßnahmen. Durch Konzentration auf wenige wichtige Teilaspekte sowie Nach- und Umnutzung von Materialien werden Ressourcen und finanzielle Mittel sparsam eingesetzt und gleichzeitig Neues der gewachsenen Struktur respektvoll und gleichberechtigt gegenübergestellt.